Freitag, 9. November 2012

Mein gestickter Adventskalender

Adventskalender erleben zur Zeit eine echte Renaissance. Vergessen die Zeit, als liebevoll gemalte Bildchen hinter Papiertürchen klebten. Lange vorbei die Zeit, wo Großmutters Handgestickter mit genähten kleinen Säckchen an der Küchentür hing. Unmodern auch die Zeit, als das billige Display mit Minischokostückchen 5x nebeneinander hing, weil alle Verwandten auf die selbe Idee kamen. Nein, heute sind es die Riesendisplays von allen namhaften Spielwaren-, Kosmetik-, Alkoholika- und anderen Herstellern, die die Gänge im Supermarkt verstopfen und die Mütter, die mit Kindern einkaufen gehen müssen, zum Wahnsinn treiben.

Ich bin ja der festen Überzeugung – und praktiziere dies schon seit vielen Jahren -, dass nicht nur Kinder den Adventskalender lieben, auch Erwachsene lieben die täglichen kleinen Überraschungen. Aber mal ehrlich – 
will ich 24 Kosmetikprodukte blind als DAS Liebesgeschenk meines Mannes verkauft kriegen? Ich schenke für mein Leben gern Adventskalender, aber die sind immer selbst gemacht.

8 Jahre lang habe ich am Kalender für meine Kinder gearbeitet. 
Erst habe ich das Tuch mit den Linien und die Säckchen mit den Zahlen bestickt. So konnte der Kalender sofort benutzt werden (auch wenn Hannah noch gar keine Zahlen konnte).

gestickter Adventskalender

Oben und unten sind Tunnelzüge für dünne Stangen, die den Stoff stabilisieren. Daran hänge ich den Kalender dann an die Wohnzimmerwand, wo er ein Bild ersetzt. Die Ziffern haben jeweils ein eigenes Muster, das bei allen Zahlen wieder auftaucht.



Und von da an habe ich jedes Jahr im Oktober und November 2-5 neue Bilder da auf das Tuch gestickt, wo die Säckchen davor hängen. Und am 30.11. wurde – wo auch immer – die Nadel rausgezogen und das Tuch mitsamt den Säckchen aufgehängt.

Einige Bilder habe ich aus entsprechenden Handarbeitsheften wie den Adventskranz. Auch der Schneemann ist daraus, allerdings angepasst, denn daneben stand ein Nikolaus. Also habe ich aus noch einem anderen Bild die Katze ge"mopst" und ihm zur Seite gestellt.


 Der Pinguin stammt aus einem Bilderbuch von Hannah. Ich habe ihn eingescannt, grob gerastert und dann selbst die Farben endgültig verteilt, bis es mir gefiel.


Die Adventsonntage sind ja in jedem Jahr mit anderen Daten, aber ich hatte beschlossen, trotzdem exemplarisch dafür 1-4 Kerzen zu sticken. Die Kinder stört es jedenfalls nicht, dass das nicht immer passt.


Diesen Stern hat Hannah nach ein paar Jahren entworfen und energisch gefordert, dass der auch auf dem Kalender zu sehen sein wird. Da war ihr Wunsch natürlich Befehl für mich. Sie ist heute noch stolz drauf. 


Lange haben die Kinder gar nicht kapiert, was ich da tue, und die neuen Bilder tatsächlich mit Spannung erwartet. Dann war meine Stickerei eine Zeit lang einfach der erste willkommene Vorbote auf Weihnachten.

Letztes Jahr schließlich habe ich die letzten beiden Bilder im Frühjahr fertig gemacht. Ich wollte einfach fertig werden. Und Mitte November sagte Hannah dann plötzlich:“Mami! Du hast ja noch gar nicht gestickt dieses Jahr!!!“

1 Kommentar:

Ilona hat gesagt…

Wow, der Wahnsinn. Sehr viel Liebe und Arbeit steckt darin, das sieht man. Gefällt mir gut, der Adventskalender.
Lg
ilona