Samstag, 14. September 2013

Anleitung für die Akkordeonfaltung


Ich habe vor einer ganzen Weile den Bau Lepporellos
für ein Hofhuhn dokumentiert. Es ist mit der Akkordeon-Faltung 
gemacht, die ich in der letzten Zeit öfter mal gemacht habe. 
Da wird es Zeit für einen Workshop.

So sieht der "Klotz" von oben aus,
etwa mit einer Kantenlänge von 14 cm:
Akkordeonalbum geschlossen


Als Papier habe ich Mi Teintes gewählt, das hat eine gute 
Stärke dafür, sieht edel aus und fühlt sich gut an. 
Auch Deckel und Boden sind damit bezogen.
Als Verschluss habe ich Bänder gewählt, die an 2 Seiten 
zur Schleife gebunden werden.
Ausgeklappt sieht es so aus: 


Akkordeonalbum geöffnet


 
 Material:
- quadratisches Papier in ungrader Anzahl in 26x26cm Größe
- Graupappe o.a. für Boden und Deckel, 2x 14x14cm
- Papiere/Stempel/... zur Gestaltung der Flächen
- 2 Bänder á 50cm


TEIL1 - die Lepporello-Elemente bauen

Um zu wissen, wie groß das Papier sein muss, muss ich 
entscheiden, wie groß die einzelnen Flächen sein sollen. 
Hier waren die Karten 12x12cm groß, also sollte die Fläche 
dafür 13x13cm groß sein. Also mussten meine Papierquadrate 
26x26cm groß sein.

Diese Quadrate werden erstmal alle gefaltet. Wenn das Papier 
von beiden Seiten gleich strukturiert ist, ist das Rauf und  
Runter egal. Bei bazzill oder Mi Teintes muss ich daran denken, 
dass ich ja immer die strukturierte Seite vorne haben will. 
Hier sieht man das gefaltete Papier: 


A Senkrecht und waagerecht die Bergfalten, diagonal eine Talfalte.
B Bei einseitig strukturiertem Papier muss jedes zweite Teil
umgekehrt gefaltet werden, also Senkrecht und waagerecht Talfalte und diagonal Bergfalte.
Und zwar: ich habe hier 15 Quadrate, davon sind 8 wie B
gefaltet, die anderen 7 wie A. 
Und wenn ich dann jeweils von unten gegen die Diagonalen 
drücke, kleppen die Elemente so zusammen: 


 
Der Grund für das verwirrende Rauf und Runter ist folgender: 
Wenn diese Teile nun aneinander gesetzt werden, muss ich 
die diagonal gefalteten Dreieck-Zacken (im Folgenden 
immer Flügel genannt) immer abwechselnd nach vorne 
und nach hinten zeigen lassen:


Hier kann man gut sehen, wie die Teile montiert werden: 
jeweils zwei Quadratflächen werden dicht ineinander geschoben 
und vollflächig verklebt. Daraus kann dann eine lange Raupe 
werden, bei der immer die strukturierte Papierseite vorne ist: 

 

  Beim Zusammenlegen klappen dann alle Flächen
aufeinander und werden so zu einem ziemlich massiven "Turm".
Man sieht auch gut, dass immer zwei Seitenflügel hoch zeigen,
und die nächsten zeigen nach unten u.s.w. Wenn ich alle 
Segmente aneinander habe, dann müssen als erstes und als 
letztes jeweils Segmente sein, bei denen die Flügel nach OBEN 
zeigen, damit ich von außen Deckel und Boden montieren kann.

Das Vor und Zurück ist notwendig, damit das Lepporello ganz
eingeklappt und damit auch ganz flach werden kann.


 
TEIL2 - Gestaltung der Flächen

Wenn Du oben schaust, erkennst Du, dass ich immer auf die 
hochzeigenden Flügel die entsprechenden Briefchen neben die 
Karten geklebt habe. Auf die runter klappenden Flügel habe 
ich die weißen Dreiecke gesetzt. Warum? Später! 
Erstmal die hochzeigenden Flügel.

Anhand der Karte von Cado zeige ich, wie diese Berg-Flügel
gestaltet werden. Die Karte kommt auf das mittige Quadrat. 
Den Brief möchte ich nun daneben setzen. Dazu muss ich den 
Brief passend zur Bergfalte diagonal schneiden, damit das 
Papier beim Einklappen nachgeben kann. 
(Hier von hinten geknipst)

 


Diese beiden Dreiecke klebe ich dann genau an den Knick und
achte dabei darauf, dass ich rundrum gleich viel Rand lasse.
Wenn dieser Flügel im ausgeklappten Zustand flach ist, sieht
man den Schlitz kaum und kann prima lesen. 

 

Die Flügel mit den Talfalten sind eine besondere Heraus-
forderung. Denn wenn ich hier auch direkt an den Knick 
rankleben würde, um ein Bild o.a. nahtlos zu zeigen, dann 
würde sich das Papier beim Einklappen einklemmen und die 
Kanten quetschen. Dafür ist schlicht nicht genug Platz. 
Erfahrungsgemäß reichen 1-2mm Schlitz aus. Hier habe ich 
jedoch die Dreiecke für die Flügel deutlich kleiner geschnitten, 
damit ich auch hier rundum gleichviel Rand habe. 


Diese Dreicke habe ich aus einem bazzill-Papier mit 
geprägten Punkten geschnitten. Die sind etwas flacher als 
beim Cuttle-Folder, so dass das Motiv der SU-Rolle 
vollständig aufgestempelt wird.


 
Auf die nächsten beiden Quadrate kommen wieder zwei Karten,
daneben auf die Bergflügel wieder die dazu gehörenden Texte,
dann folgen wieder Talflügel mit den Dreiecken. u.s.w.

 

Puh, hoffentlich ist das alles bis jetzt verständlich ...

Ich pack Dir mal ein Bild aus einer anderen Raupe rein. Damals 
wurde ein Kusin von mir 50 und bekam von seinen Brüdern 
 und mir ein Wochenende in der Pfalz nebst Weinprobe und 
Tralala. Dafür hatte ich dann von dem Weingut, wo er mit 
seiner Freundin unterkam, und dem Pfälzer Turismus-Büro 
Prospekte angefordert und die zu einer Raupe verarbeitet. 
In einer bunten Mischung aus Infos über das Gut, Attraktionen 
in der Gegend, verschiedene Böden und die Auswirkungen auf 
den Geschmack des Weines, ... habe ich alles Mögliche aus 
den Prospekten zusammen gebastelt. Und dabei habe ich 
dann auch Bilder auf Tal-Flügel geklebt. Auf dem folgenden 
 Bild sieht man z.B. ein Tor so geklebt: diagonal geschnitten, 
extrem schmal gemattet und dann auf 1mm an die Talfalte 
rangeklebt. Das sah dann auch gut aus. Aber Text kann 
man so eben nicht schneiden/ montieren.


 

TEIL 3 - Deckel und Boden

Als nächstes bauen wir Deckel und Boden. Dafür nehmen wir an
der Größe eines eingeklappten (!) Segmentes, hier je 13x13cm 
Maß. Wir schneiden aus Graupappe o.a. 2 Quadrate, hier 
14x14cm. Dann aus dem Bezugpapier, wieder Mi Teintes, je 
ein Quadrat 16x16cm. Aufeinandergelegt sieht das dann so 
aus (das Papier in der Mitte ist ein Beispiel für die Größe des Klotzes):



Nun klebe ich die Pappe möglichst mittig auf das Bezugpapier 
und schneide an allen 4 Ecken so ein, aber nicht ganz dran(!):

 


Dann klebe ich die 4 langen Laschen um die Kanten, 
helfe dabei an den Ecken mit den Fingerkuppen nach, 
damit die sauber und gut kleben, und ziehe alle 4 Kanten 
mit Druck über eine saubere Unterlage. Dadurch wird 
 das Papier an den Kanten angedrückt, die Kanten 
sehen schön grade aus.

 


Was jetzt noch an weiß zu sehen ist, wird gleich unter 
dem Lepporello-Block verschwinden. Danach klebe ich den 
fertig gestalteten, geschlossenen Lepporello-Block erst an den 
Deckel und dann an den Boden an, indem ich ihn gut mittig 
 ausrichte, etwas andrücke und dann soweit öffne, dass ich 
das Papier direkt feststreichen kann. 

 


Teil 4 - Gestaltung vom Deckel und Abschluss

 


Den Deckel habe ich hier natürlich versucht, zum Thema 
"Mutmacher" zu gestalten. Also Ermutigung und die Leichtigkeit 
der Schmetterlinge. Das Bazzill-Papier mit den Prägedots habe 
ich hier noch mit einer Lage weißem Fotokarton verstärkt, 
weil es ziemlich dünn ist. Dann habe ich erst das Band mit 
Tesafilm mittig auf dem nackten Deckel angeklebt (an beiden 
Seiten gleich viel rausschauen lassen)  und nun das gestaltete 
Blatt aufgeklebt. Ohne die Verstärkung hätte sich das Band 
 etwas durchgedrückt.

Beim Boden habe ich das Papier nicht gestaltet. Hier muss man 
nun aufpassen, dass das Band die gleiche Ausrichtung wie das 
vom Deckel hat. Lieblingsfalle ... *zwinker*

Hier sieht man schön, wie der Boden am letzten Segment 
von der Raupe sitzt. 


  Als ich nun das fertige Werk zubinden wollte, habe ich
festgestellt, dass sich glattes Satinband nicht wirklich eignet. 
Da der Block ja die Tendenz hat aufzudrücken, ist das Band 
immer wieder durch Knoten und Schleifen einfach 
durchgerutscht. Knörmel wird inzwischen festgestellt haben, 
dass es eigentlich nicht möglich ist, das Lepporello richtig 
 zuzubinden.

Bleibt noch zu sagen, dass ein einzelnes Bergflügel-Segment 
sich auch hervorragend als besondere Karte eignet, das z.B. 
innen genug Flächen bietet, um daraus eine Hochzeitseinladung 
zu machen. Das habe ich z.B. hier verarbeitet:
http://www.kunstalacard.blogspot.de/2013/09/blaue-katzenhochzeit.html
Eine lange Raupe ist auch hier zu sehen:
http://www.kunstalacard.blogspot.de/2013/07/zum-abschied-der-lehrerin.html
Ich stelle grade fest, dass ich eine Affinität zu Blau habe
bei dieser Kartenform ...

So, das wars mal wieder. Ich hoffe, alles ist zu verstehen. 

Wenn nicht: nachfragen!!! Ich wünsche viel Spaß beim 
Nachbasteln. Bitte nicht vergessen, meinen Blog zu 
erwähnen und zu verlinken, wenn die Anleitung weiter 
gegeben wird. Danke!


 

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