Montag, 10. August 2015

kleiner Hosentaschenkamerad aus Speckstein

In diesem Sommer habe ich mich endlich an ein Material 
gewagt, das mich schon sehr lange gereizt hat. Ich habe 
mich an Speckstein gemacht. Der Stein selbst ist ja ganz 
weich und leicht zu bearbeiten. Aber 1. muss man dennoch 
sorgfältig arbeiten, damit kein Stück abbricht. Man muss 
2. geduldig sein, denn die verschieden feinen Schleifpapiere 
nacheinander brauchen schon Zeit, und in die Ecken und 
Kanten kommt man gar nicht so leicht rein.
Und schließlich unterscheidet sich „Bildhauerei“ grundsätzlich 
von allen anderen kreativen Techniken. Denn sonst baue ich 
ja ein Bild, eine Töpferei, ein Objekt auf. Aber hier habe ich 
einen Stein – und muss vorher wissen, wo mein fertiges Werk 
darin steckt. Ich muss versuchen, die Maserung des Steins 
zu ahnen, damit ich sie einbeziehen kann. Und ich muss das 
Material ab-bauen. Das fand ich echt knifflig. 
Was weg ist, ist weg! Da gibt’s kein: „da sollte noch...“ 
Das muss ich vorher sehen.

Als erstes Werk habe ich mir einen Handschmeichler für die 
Hosentasche gemacht. Ich fand ein kleines „Tortenstück“, 
abgesägt von einem größeren Block. 


Und ich wusste, dass ich einen Elefanten machen will. Für die 
grobe Form musste ich eigentlich nur die Spitze und den Hintern 
abrunden, unter dem Rüssel einiges wegraspeln und die Beine 
andeuten. Ich wollte, dass alle Formen erkennbar, aber so stabil 
sein würden, dass das Tier es aushält, immer irgendwo 
„hingestopft“ zu werden. Und ich wollte, dass man hinterher noch 
die Ursprungsform des Steins sieht – das Tortenstück.

Und genau das war dann das Problem, als der Körper, die Beine, 
die Ohren, der Rüssel da waren. Und ich feststellte, dass die Zähne 
fehlen. Die Zähne durften nicht in die Gegend stehen, damit sie 
nicht abbrechen können. Und ich wollte auch den Rüssel nicht 
schmaler machen, nur damit die Zähne hervorstehen können. 
Also habe ich nochmal Bilder von Elefanten studiert, um zu sehen, 
wo die Zähne eigentlich langlaufen. Als ich gesehen habe, dass 
die Zähne aus dem Rüsselansatz kommen, war es nicht mehr 
schwer, sie unterzubringen.



Bei den vorherigen Bildern sieht man, wie schwer es ist, 
den Stein wirklich glatt zu polieren. Selbst mit dem feinsten 
Schleifpapier bleibt es in den Rillen noch „kratzig“ und ein 
bisschen matt. Fragt nicht, wiiiieeeeeee oft ich da nochmal 
und nochmal drüber geschmirgelt habe …

Aber das Polieren mit Geduld lohnt sich doch:

Elefant aus Speckstein

Es ist faszinierend, wie schön der Stein wird, wenn man ihn 
geduldig immer weiter poliert. Am Schluss wird er noch gewachst 
oder geölt – und ist dann wunderbar glatt und weich und glänzend.
Der Charakter des Steins kommt zum Vorschein, viele haben eine
Maserung wie mein Elefant mit den orangenen Schichten.

Nun steckt er immer in meiner Hosentasche. Und wenn Kinder-
erziehen, Lehrerzähmen, Warteschlangenertragen, Müdigkeit und 
Selbstzweifel mich anschleichen wollen, dann nehme ich meinen 
Elefant in die Hand und sage mir: 
Ich bin ruhig und stark – so wie dieser hier!

1 Kommentar:

Karin hat gesagt…

Bettina, Dein Elefant ist Dir einfach großartig gelungen! Ich stelle es mir wahnsinnig schwer vor - so wie du beschreibst - aus einer Form etwas urch wegnehmen herauszuholen, aber Du hast das ganz toll geschafft!! Ich bin ganz verliebt in Deinen Elefanten!!!