Samstag, 10. Oktober 2015

Die weißen Bohnen

Vor kurzem bin ich über diese zauberhafte Geschichte gestolpert:

In Süditalien lebte einst ein sehr alter Mann. Er genoss sein Leben, und 
niemand hatte ihn je in schlechter Stimmung erlebt. Jeder kannte ihn 
und jeder mochte ihn.

Eines Tages fragte ihn ein kleines Mädchen, wie alt er denn sei. 
Er setzte sich neben sie auf den Rand des Dorfbrunnens und antwortete: 
"Ich bin 97 Jahre alt, und ich habe schon sehr viel gesehen und erlebt.“
Das Mädchen staunte, denn so eine große Zahl an Jahren konnte es sich 
gar nicht vorstellen.
Da erzählte ihr der alte Mann: „Weißt du, ich verlasse niemals mein Haus, 
ohne mir zuvor eine Hand voll Bohnen einzustecken. Ja, es stimmt, ich nehme 
mir immer eine Handvoll Bohnen mit. Ich nehme sie mit, um all die schönen 
Momente meines Tages einzufangen. So kann ich sie noch lange genießen. 
Für jede schöne Kleinigkeit, die ich tagsüber erlebe, lasse ich eine Bohne 
von der linken in die rechte Jackentasche wandern.“
Was sind das für Kleinigkeiten?“, fragte ihn das Mädchen, das aufmerksam 
zugehört hatte.
„Nun. Zum Beispiel so ein fröhlicher Plausch, wie ich ihn jetzt mit dir führe. 
Das Lachen meiner Frau, ein köstliches Essen, ein schattiger Platz in der 
Mittagshitze, ein Glas guten Weines am Abend. Der Ruf eines Vogels oder der 
Duft der reifen Feigen an diesem Baum dort. Alles, was meine Sinne und mein 
Herz erfreut. Manchmal sind es gleich zwei oder drei Bohnen.
Abends sitze ich dann zu Hause und zähle die Bohnen aus der rechten Tasche. 
Ich genieße diese Minuten. So erlebe ich noch einmal, wie viel Schönes Gott 
mir an diesem Tage geschenkt hat. Und immer wieder staune ich darüber, 
werde dankbar und freue mich. Selbst an einem Abend, an dem ich nur eine 
Bohne zähle, ist der Tag gelungen. Dann hat es sich zu leben gelohnt."

Dann schenkte der alte Mann dem Mädchen ein paar seiner Bohnen. Und als 
er die Freude in ihrem Gesicht sah, steckte er gleich noch eine in seine rechte Jackentasche.

Die Geschichte hat mich berührt. Bei der nächsten Gelegenheit habe ich mir 
eine Tüte weißer Bohnen gekauft und es ausprobiert. Und seitdem habe ich 
immer eine Handvoll Bohnen in der Hosentasche. Die wandern dann im Laufe 
des Tages von links nach rechts.

Ich wäre nicht ich, wenn mein Gehirn dabei nicht zum Rattern käme. 
Und das ist das Ergebnis:


Ich habe eine Karte mit dickem Rücken gestaltet, in der links Platz 
zum Schreiben ist und rechts ein Fach mit Inhalt. Darin stecken die 
aufgerollte Geschichte und ein Tütchen mit Bohnen.
                                         

Da ich vor kurzem auf einem Kunstmarkt war, wo ich immer gerne 
etwas am Tisch zu basteln habe, habe ich die Einzelteile aus 
Grundkarton und passenden Designpapieren vorher in größerer Anzahl 
zugeschnitten, die Geschichte auf verschieden farbigem Papier 
ausgedruckt und Bohnen in Tütchen abgefüllt.
                                                  


Auch verschiedene geeignete Stempel in der passenden Größe 
habe ich rausgesucht.








Ich kriege immer Reaktionen auf meine Arbeit, wenn ich da so sitze 
und bastele. Diesmal war es so, dass ich immer wieder die Geschichte 
in Kurzform erzählen "musste". Und es hat mir ungeheuer 
viel Spaß gemacht.

Ich schimpfe ja immer mit mir, wenn ich mal wieder über neue wunderschöne
Designpapiere stolpere und nicht widerstehen kann. Aber in solchen Momenten, 
wenn ich nach passenden Papieren suche, genieße ich meine große 
Auswahl (und bekämpfe das schlechte Käufergewissen ...)


1 Kommentar:

Anke hat gesagt…

Liebe Bettina,

das ist eine wunderbare Geschichte, denn es sind genau diese kleinen Momente, die das Leben so lebenswert machen.

Und Deine Werke mit den herrlichen Sprüchen schauen superschön aus, den tollen Spruch "Lächeln" von Daisy habe ich kürzlich auch endlich wieder mal verwendet.

Herzliche Grüße
von Anke