Dienstag, 17. Mai 2016

Der lebendige Baum unserer Gemeinde

In meiner Kirchengemeinde gibt es ein wunderschönes altes 
Gemeindehaus. Ich liebe alte Häuser. Die dicken Mauern, die 
richtigen Steine, die großen Fenster, die hohen Decken, die 
großzügigen Räume. Dagegen bauen wir heutzutage nur noch 
Kaninchenställe. Aber alte Häuser brauchen viel Pflege und sind 
nicht immer praktisch. Dieses Gemeindehaus z.B. hatte Wasser 
im Fundament und viele, viele Treppen – nicht wirklich geeignet, 
um für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung einladend 
zu sein. Also wurde saniert. Und saniert. Und saniert. Das 
Spendenbarometer für den Eigenanteil der Gemeinde hatte 
ich damals gebaut.

Nun wurde ich gebeten, für die Einweihungsfeier wieder etwas zu 
bauen: einen großen Baum, an dem die Besucher des Festes ihren 
Namen verewigen können, indem sie ihn auf ein Blatt oder eine 
Frucht schreiben und das ankleben.

Den großen Karton, der dem Baum den Halt gibt, habe ich im REAL 
beim Einkaufen gefunden. Der war mal eine Schutzhülle für irgend 
ein Warendisplay und stand nun da einfach rum. Zack – meins!


Für die große Fläche der Baumkrone bin ich zu ein paar öffentlichen 
großen Papiercontainern gefahren. Da fand ich dann flache 
Möbelkartons, in denen noch diese genialen „Stangen“ waren.


Ab ins Gemeindehaus, und los gings!

Den Karton habe ich einfach in Form gestellt, dann an der einen Seite 
die Pappstangen angeklebt, die Krone zugeschnitten und diese Pappe 
an die Stangen geklebt. Fertig war der Rohbau.


Dann habe ich zunächst mit 2 Blautönen und Weiß den Himmel gemalt, 
auch neben dem zukünftigen Stamm. So konnte ich den breiten 
stabilen Karton lassen und trotzdem einen schlanken Stamm haben.
Ich male solche großflächigen Sachen eigentlich immer so, dass ich 
einfach alle Farben nebeneinander auf einen Teller mache und dann 
fröhlich mit demselben Pinsel in alles reingehe. So entstehen problemlos 
lebendige Flächen wie Himmel mit Wolken oder Rinde von einem Baum.


Darum habe ich dann für den Stamm auch einfach schwarz, weiß 
und 3 Brauntöne nebeneinander auf den Teller gemacht und einfach 
von links nach rechts immer heller werdend Stamm und Äste gemalt. 


Das macht echt riesig Spaß.


Nun war ich fertig – und hatte noch so Lust, weiter zu machen. 
Darum habe ich mir noch einen Rest geschnappt und den kleinen 
Igel dazu gezaubert.


Im nächsten Schritt mussten noch die Blätter und Früchte geschnitten 
werden. Dazu hätte ich mir dann schon ein bisschen Musik gewünscht …


Zu guter Letzt konnte ich es mir nicht verkneifen, meinen eigenen 
Namen schonmal auf ein Blatt zu schreiben und ihn an den 
Baum zu hängen.


Beim Einweihungsfest habe ich dann neben dem Baum gestanden 
und alle Leute aufgefordert, Teil des Baumes und damit der 
Gemeinde zu werden. Nach und nach füllte sich der Baum und 
wurde immer bunter.

Toll fand ich, dass die äthiopische Gemeinde, die in unserer Kirche 
Dauergast ist, zahlreich zum Fest erscheinen war. Und die ganzen 
Kinder schrieben dann, als sie anfingen, sich zu langweilen, all die 
Namen ihrer Gemeindemitglieder in ihrer eigenen Schrift auf Blätter. 
Das sieht so bunt und vielfältig aus!


Meine eigene Familie habe ich in Abwesenheit auf einen Apfel 
geschrieben und dem Igel zum Mittagessen kredenzt.

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