Think
big! Ich kann nicht anders …
Ich
singe ja in 2 tollen Chören. Der bunt gemischte „Chor Zeitlos“
hat in 2 Wochen mal wieder Konzerte. Wir singen ein buntes
Programm
aus weltlichen und geistlichen Liedern und Kanoni quer
durch alle
Jahrhunderte der bekannten Chorliteratur. Diesmal von
Shakespeare bis
Wise Guys. Das Besondere an unseren Konzerten
ist, dass wir uns nicht
einfach hinstellen und trällern. Im Laufe der
Probenarbeit entsteht
ein roter Faden, der den Titel vorgibt. Und die
einzelnen Stücke
werden dann im Konzert mit kleinen Gedichten
oder Anspielen
miteinander verbunden. So singen wir auch den
Kanon von Herrn
Gänsewitz und seinem Kammerdiener: „Befehlt
doch, draußen still
zu schweigen. Ich muss jetzt meinen Namen
schreiben!“ Der kanon ist
von Haydn, also irgendwo zwischen
Rokoko und Klassik entstanden, und macht riesig Spaß.
Zu der Zeit war es offenbar noch nicht allgemein üblich, dass
ein erwachsener Mann flüssig seinen Namen schreiben konnte.
Rokoko und Klassik entstanden, und macht riesig Spaß.
Zu der Zeit war es offenbar noch nicht allgemein üblich, dass
ein erwachsener Mann flüssig seinen Namen schreiben konnte.
Wir
wollen im Konzert also tatsächlich den Herrn von Gänsewitz an
sein
Stehpult stellen und Blut und Wasser schwitzend seinen Namen
schreiben lassen. Der Chor hatte vorgesehen, das mit einem
Notenständer zu improvisieren. Aber – wie gesagt: think big!!!
Ein
Notenständer sieht doof aus, ist sowieso viel zu niedrig, und zum
Schreiben wackelt der auch viel zu sehr. Voilá !
Aber
der Reihe nach. Das Teil muss leicht und leicht zu
transportieren
sein (Pappe) und ein paar Monate lagerbar sein,
damit wir das
Konzertprogramm in 2016 nochmal aufnehmen
können: stabil. Der
Kammerdiener muss es bringen und nach 5
Minuten Kanon wieder
wegbringen können: Rollen.
Die
zündende Idee kam, als ich diese sehr stabilen
rechtwinkligen Pappleisten im Müll fand.
rechtwinkligen Pappleisten im Müll fand.
Der
Blumenroller war dann schnell gegriffen. Ich habe
die Leisten einfach
knapp über dem Boden drangetackert.
So wird man die Rollen nicht sehen.
Weil
sie etwas zu kurz, aber in ausreichender Menge vorhanden
waren, habe
ich die Stichsäge geschnappt, eine Leiste zersägt
und die „Pfosten“
gleich schief verlängert.
Denn
so ein Schreibpult hatte in der Regel eine
schräge Auflagefläche.
Auf
den nächsten Bildern sieht man, wie ich mit Unmengen
Paketklebeband
nach und nach das Grundgerüst gebaut habe.
Die obere Querstrebe konnte ich einfach etwas zusammen drücken,
damit der richtige Winkel entstand.
Die untere Schräge ist mit schrägen Pappstücken vorbereitet,
damit dann die
Konstruktion dem Druck beim Schreiben standhält.
Zusätzlich
habe ich Verstärkung angeklebt.
Als
nächstes habe ich den Korpus gebaut, indem ich im Supermarkt
eingesammelte große Pappen an 3 Seiten angeklebt habe.
Erst
später fiel mir auf, dass es Probleme geben könnte, auf
dem glatten
Paketklebeband zu malen. Darum habe ich die
Front mit
Teppichklebeband angeklebt und später alle Kanten
mit Malerklebeband
aus Papier nochmal überklebt.
Der
Rohbau - hier sieht man auch, welch verheerende Folgen
so eine Aktion für einen - ich schwöre! - 3 Tage vorher
gründlich aufgeräumten Keller haben kann ...:
Als
nächstes musste ich mir Gedanken über eine brauchbare
Schreibfläche
machen, die trotz Schräge das Tintenfass halten
muss und die Federn
so hält, dass man sie vom Publikum aus sieht.
Dazu habe ich mir im
Supermarkt eine Palette eingesammelt,
auf der mal Weinflaschen
standen. Groß und flach.
Ich
habe die erste Seite geöffnet und die Lasche so umgebogen,
dass
etwa der Winkel der Schräge für das obere Ende entstand.
Angeklebt
…
Die Seite habe ich dreieckig angeklebt. So gibt es
gleich ein bisschen
schicken Überstand später.
Das
andere Ende habe ich nach dem Öffnen
andersrum angeschrägt.
andersrum angeschrägt.
konnte ich nicht einen
vorhandenen Falz nutzen. Ich habe also
mit dem Cutter die Außenseite
leicht geritzt, damit ich einen
graden Knick bekomme.
Dann
habe ich die entstandene Lasche angeklebt, ...
die überschüssige Pappe nach oben geklebt und dort
so abgeschnitten, dass eine kleine Haltekante für das
Papier entstanden ist.
die überschüssige Pappe nach oben geklebt und dort
so abgeschnitten, dass eine kleine Haltekante für das
Papier entstanden ist.
Für
die Tintenfasshalterung habe ich schlicht eine Bauchbinde
für das
Fass gemacht und die dann mit viel Klebeband am
Deckel befestigt.
Eine Rolle habe ich schräg angeklebt, damit
die Federn zur Seite
rausschauen.
Für
die Bemalung habe ich nach barocken Stehpulten gegoogelt –
und
festgestellt, dass diese Möbel zu der Zeit eher sehr zierlich
waren
und deshalb keinen geschlossenen Korpus sondern schlanke
Beine
hatten. Zu spät. Ich hatte keine Lust, die Nutella-Werbung
auch noch
von innen bemalen zu müssen. Außerdem geben die
Seiten dem schmalen
Gerät erst die nötige Stabilität.
Abtönfarbe
in mittlerem Braun hat für eine Grundierung gesorgt.
Ich habe mir
dann verschiedene zeittypische Gestaltungselemente
abgeschaut, eine
grobe Einteilung auf den korpus gemalt und
erstmal drüber
geschlafen.
Heute habe ich mir verschiedene hellere und dunklere Brauntöne
gemixt und
losgelegt. Die Möbel waren damals zwar nicht
angemalt sondern in der
Regel aus verschiedenen Echthölzern,
verfeinert mit Furnieren,
kassetten, Profilen, Simsen und Rosetten.
Ich habe mich aber gegen
Holzmaserung entschieden, weil ich
dann noch viel feiner hätte
arbeiten müssen. Stattdessen habe
ich mit hellen und dunklen Tönen
versucht, ein Auf und Ab zu
simulieren, das ein bisschen Tiefe
erzeugen sollte.
Der
Deckel ist einfach ganz dunkel geworden. Bei diesem Foto von
unten
habe ich die Perspektive der Zuhörer eingenommen und
festgestellt,
dass ich den Deckel zumindest vorne auch von innen
anmalen muss.
Und
so sieht nun schließlich unser barockes Stehpult
im Ganzem aus, mit
Tintenfass und PiPaPo. Das
Tintenfass ist übrigens von meinem Opa.
Es
hat mal wieder so richtig Spaß gemacht, drauflos
zu werkeln. Und
heute Abend bin ich gespannt auf die
Reaktion vom Chor.





















