Donnerstag, 22. Juni 2017

Thesenanschlag zu Darmstadt ...

Ich mache zur Zeit nicht viel in meiner Kirchengemeinde. Aber
immer, wenn es gilt, kreativ zu werden, dann fragen sie mich.
Und ich komme gerne.

Diesmal ging es darum, zur Nacht der Kirchen Ende Juni eine riesige
Tür zu bauen. Denn im Luther-Reformations-Jubiläumsjahr sollte an
diesem Abend ein moderner Thesenanschlag veranstaltet werden. (Auch
wenn Luther die Annagelei vermutlich nie getan hat. Das Symbol zählt.)
Und dafür brauchten sie eine „Tür der Schlosskirche zu Wittenberg“.

Hier mal das Original, das ich mir aber vor dem Malen nicht
angeschaut habe. Ich hatte einfach eine alte Tür im Kopf. 


Ja sagen ist das eine. Aber wo sollte ich eine soooo große Pappe her
bekommen, die auch noch irgendwie stehen konnte??? Wie der Zufall
so wollte, hat mein Mann kurz vorher eine neue Matratze gebraucht.
Der Karton davon stand noch in unserem Wohnzimmer herum. Die Frage
„wie werden wir eigentlich diesen Megakarton los???“ ging also direkt
über in „wie kriege ich diesen Karton jetzt heile auf mein Auto und ins 
Gemeindehaus???“


Ging. Mit viel Spanngurten durch sämtliche Autofenster …

Dann habe ich mich im Foyer des Gemeindehauses gemütlich eingerichtet -
mit Folie, Pinseln und viel Abtönfarbe – und habe losgelegt. Das Stehpult
vom Chor Zeitlos habe ich gleich mit verliehen für die Kirchenbesucher,
die tatsächlich was aufschreiben und an die Tür kleben wollen.


Die Türen hell, die Angeln noch heller, die Mauer dunkler
und die Türeinfassung grau.


Aber so richtig Spaß hat es dann gemacht, die Holzmaserung
und die Schatten an den Steinen zu zaubern. Ich liebe es,
einfach mit diversen Farbtönen durcheinander nass in nass
rumzumatschen. Das "Irgendwie" wird immer am lebendigsten.


Was von Nahem nur weiße und schwarze Strichel auf grauem Grund
sind, wirkt von weitem wie behauene Steine im Licht. Ich war auf die
Entfernung selbst verblüfft, wie gut das geklappt hat.


Am Schluss hatte ich noch die Idee, die Jahreszahl der Reformation
auf den Schlussstein zu schreiben. Ich hätte aber besser wieder Weiß
genommen als dieses Ocker.


Das Ergebnis fand jedenfalls allgemeine Zustimmung.



Zu Hause fand ich dann im Internet noch diese Schilder. Es hat mich
ja echt gejuckt, die an die Tür zu kleben ...